Nouveaux Paisages
Druckereihalle im Ackermannshof
Konzert des Jouska String Quartet
Bei diesem Konzert präsentiert das Jouska Quartet Musik von Ludwig van Beethoven, das Streichquartett Nr. 2, Op. 18 in G-Dur, und von Maurice Ravel, das Streichquartett in F-Dur. Beethoven war Deutscher und Ravel Franzose; zwei Komponisten aus unterschiedlichen Epochen, getrennt durch mehr als ein Jahrhundert, aber beide im gleichen Lebensabschnitt: Ende zwanzig, an der Schwelle zu einer Phase künstlerischer Selbstfindung. In diesem Alter suchten beide nach ihrer verborgenen Seite, ihrer inneren Stimme, und danach, wie sie ihre tiefsten musikalischen Ideen innerhalb des Streichquartetts, einer der anspruchsvollsten und ausdrucksstärksten musikalischen Formen Europas, ausdrücken könnten.
Beethoven, noch unter dem Einfluss von Haydn und Mozart, war entschlossen und mutig darin, seinen persönlichen Stil zu entwickeln. In seinen Op. 18-Quartetten experimentiert er mit Form, Harmonie und motivischer Arbeit und testet die Grenzen der klassischen Tradition, während er zugleich eine eigene musikalische Sprache formt. In dieser Zeit bemerkte Beethoven die ersten Anzeichen seiner beginnenden Taubheit, eine Entwicklung, die ihn zunehmend von der Außenwelt isolierte. Diese Herausforderung zwang ihn, sich nach innen zu wenden und machte das Streichquartett zu einem Spiegel seines inneren Lebens, einem Raum, in dem sein verborgenes Selbst, seine innere Stimme, hervortreten konnte, um musikalische Ideen mit tiefer Introspektion und Intensität zu erforschen.
Jahrzehnte später näherte sich Ravel dem Streichquartett mit einem ebenso ambitionierten Vorhaben. In seinem Quartett in F-Dur verbindet er formale Klarheit und klassische Balance mit farbenreicher Harmonik und feinen klanglichen Nuancen, die vom Impressionismus geprägt sind. Auch Ravel, damals 27–28 Jahre alt, suchte nach seiner eigenen inneren Stimme – nach einer Möglichkeit, Tradition und Innovation miteinander zu versöhnen, um ein Werk zu schaffen, das die Vergangenheit ehrt und gleichzeitig eine moderne, unverwechselbare musikalische Sprache verkündet.
In beiden Fällen wird das Streichquartett zu einem Spiegel des inneren Lebens der Komponisten – zu einem Labor, in dem Beethoven und Ravel sich ihren persönlichen künstlerischen Herausforderungen stellen. Jede Probe, jede Phrase und jede strukturelle Entscheidung spiegelt die Suche nach Identität, Freiheit und Selbstausdruck wider. Beide Werke erinnern uns daran, dass der Weg zur eigenen verborgenen Seite, zur inneren Stimme, zeitlos ist: Er überwindet Jahrhunderte, Nationalitäten und Stilrichtungen und verbindet zwei herausragende musikalische Persönlichkeiten durch die universelle Sprache der Musik.
Programm
Ludwig van Beethoven
Das Streichquartett Nr. 2, Op. 18 in G-Dur
Das Streichquartett Nr. 2, Op. 18 in G-Dur
Maurice Ravel
Das Streichquartett in F-Dur
Das Streichquartett in F-Dur
Jouska String Quartet
Meriel Bizri (Violine)
Sofía Fasla-Prolat (Violine)
Marina Prat Mir (Viola)
Kiril Fasla-Prolat (Violoncello)
Das Konzert wird unterstütz von der Stiftung Pirolo (www.stiftungpirolo.ch)
Eintritt: Kollekte
Weitere Informationen: Jouska String Quartet